Auf dem Rücken von Erstklässlern: Abc-Schützen leiden unter jahrelanger Untätigkeit der Gemeinde

Wir waren schon im Rathaus, als unsere Kinder noch im Kinderwagen lagen. Sauer waren wir, weil wir den gesetzlich verankerten Anspruch auf frühkindliche Bildung für unsere Kinder in Anspruch nehmen wollten. Einen Anspruch, dem die Verwaltung nach wie vor zu wenig Bedeutung zumisst.

Mit viel Einsatz haben wir bewirkt, dass die Rechte unserer Kinder nicht untergehen und immer wieder auf die Missstände hingewiesen. Vor allem darauf, dass die Gemeinde dem Bedarf jedes Jahr aufs Neue hinterherhinkt, obwohl man es besser machen könnte. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass diese „Kita-Probleme“ wie eine Welle auch auf die Grundschulen überschwappen werden. Darauf, dass Eltern und Kinder sich wie auf einem Rangierbahnhof fühlen, auf dem sie scheinbar wahllos und ohne Rücksicht auf ihre Bedürfnisse in der gesamten Gemeinde umhergeschickt werden. Und nun? Nun soll das Einzugsgebiet der Grundschule Trupermoor verändert werden – ACHT Wochen vor Einschulung.

Wie von uns vorausgesagt, ist die Welle also bei den Grundschulen angekommen. Mit unserer Einschätzung waren wir keineswegs alleine. Eine eigens von der Gemeinde, bei der Firma Sweco, in Auftrag gegebene Prognose zur Bevölkerungsentwicklung, hat unsere Einschätzung bestätigt. Explizit hat sie sogar ausgewiesen, dass die Grundschule Trupermoor zum Schuljahr 2019/2020 zu hohe Schülerzahlen für eine Grundschule mit zwei Zügen aufweisen wird. Wurde hier der eigens in Auftrag gegebenen Prognose nicht getraut? Oder hat man bewusst erst jetzt reagiert, um einer langen Debatte über die grundsätzlichen Probleme in der Lilienthaler Bildungslandschaft und dem Zorn der Eltern zu entgehen? Hat die Gemeinde die 100 Wohneinheiten, die in den letzten 2-3 Jahren fertig geworden sind, vergessen (Weissdornweg, Viehreihe, Falkenberger Vieth) oder den Generationswechsel in die Bestandsimmobilien? Fakt ist, die Missstände sind langfristig bekannt, die Verwaltung blieb trotzdem untätig und will nun das Problem auf die Kinder und deren Eltern abwälzen.

Denn was bedeutet die kurzfristige Veränderung der Schuleinzugsgebiete? Die Kennenlerntage und Informationsgespräche haben bereits in der Grundschule Trupermoor stattgefunden. Einer Schule mit angeschlossenem Hort. Vor allem aber einer Schule, die die kurzen Beine zu Fuß hätten erreichen können. Statt ihren bereits mit den Eltern abgelaufenen Schulweg sollen Erstklässler der Grundschule Trupermoor jetzt einen genauso weiten Weg bis zur Bushaltestelle zurücklegen, um dann zur Grundschule Worphausen gefahren zu werden.

Für die Kinder bewirkt dies, dass sie auf die Aussagen ihrer Eltern nicht mehr vertrauen können. Schließlich sind es die Eltern, die ihren Kindern nun erklären müssen, dass sie doch in eine andere, für sie fremde Schule, gehen sollen.

Und wir Eltern? Wir fragen uns kopfschüttelnd, was wichtiger ist: Die Durchsetzung von politischem Willen, lukrative Geschäfte für Immobilieninvestoren oder die Belange von Kindern? Und wir fragen uns wie man grundsätzlich in einer Gemeinde miteinander umgehen will. Soll wirklich das Streben nach Wachstum und Profit über das Wohl der Einwohner dieser Gemeinde gestellt werden?